Home
 News
 Publikationen
 Informativ
    Interviews
    Online-Artikel  
    Statistiken
    Grafiken
    FAQ
    Fotos
    Downloads
 Interaktiv
 Hüters Corner
 Über mich
 English
 mobile Version

Drucken Suchen RSS-Feed

XING LinkedIn Facebook Twitter Google+


  
Abwrack­prämie für Energie­konzerne

als Gastkommentar erschienen in der Mittelbayerischen Zeitung am 29.03.2014

INFO

Abwrackprämie für Energiekonzerne Den Energie­konzernen steht das Wasser bis zum Hals. RWE ver­kündete erstmals seit 60 Jahren einen Milliarden­verlust. Den anderen Energieriesen geht es wenig besser. Statt ambitioniert Solar- und Windkraftanlagen zu bauen, haben sie konsequent auf Laufzeitverlängerungen von Kernkraftwerken und neue Kohlekraftwerke gesetzt. Daher fand die Energiewende bisher ohne die Energiekonzerne statt. Für 2012 weist RWE in Deutschland einen Anteil erneuerbarer Energien von gerade einmal einem Prozent aus. 25 Prozent sind es inzwischen im Bundesdurchschnitt. Nun sitzen sie auf Kraftwerken, die keiner mehr braucht. Das Überangebot lässt die Börsenstrompreise immer weiter abstürzen. Industriestrom ist in Deutschland inzwischen so billig wie lange nicht mehr.

Viele Gemeinden, die einen erheblichen Teil der Aktien von RWE und Co. halten, geraten durch deren Niedergang zunehmend finanziell unter Druck. Sinnvolle Maßnahmen zur Energiewende stehen bei der Regierung daher schon lange nicht mehr auf der Prioritätenliste. Ziel der Reformen von Minister Gabriel ist, die Energiekonzerne zu retten, ohne dabei die Industriestrompreise steigen zu lassen. Eine radikale Drosselung des Ausbaus erneuerbarer Energien soll den Energieriesen die nötige Zeit verschaffen, um ihre neu gebauten Kohlemeiler doch noch in die Gewinnzone zu bringen. Neue Stromtrassen sollen den immer schwerer zu vermarktenden Kohlestrom bis nach Bayern bringen. Die private Konkurrenz wird ausgebremst: Wer künftig Solarstrom von seiner Scheune oder seinem Gewerbebetrieb selbst nutzt, soll eine Eigenverbrauchsumlage zahlen. Der Kraftwerkseigenverbrauch in Kohle- und Atomkraftwerken bleibt weiter umlagefrei.

Dabei würde eine Umlage auf den Kraftwerkseigenverbrauch bis zu zwei Milliarden Euro in die Kassen spülen und die Haushaltsstrompreise spürbar reduzieren. Diese dienen zwar als Argument für die Reformen, wirklich senken will sie aber niemand. Auch die künftigen Generationen bleiben bei dem Spiel auf der Strecke. Klimaschutz hat in Deutschland ausgedient. Die Kohlendioxidemissionen steigen durch die zunehmende Kohleverstromung seit zwei Jahren wieder an. Unsere Vorreiterrolle bei den Zukunftstechnologien ist ebenfalls in Gefahr. China hat 2013 bereits fünfmal so viel Solar- und Windkraftanlagen errichtet wie Deutschland. Wir haben hingegen den Solarenergiezubau mehr als halbiert und damit 40 000 Arbeitsplätze in der Solarbranche vernichtet. Statt intensiv auf heimische erneuerbare Energien zu setzen und uns damit von politisch problematischen Staaten unabhängig zu machen, geben wir weiterhin Jahr für Jahr 100 Milliarden Euro für Energieimporte aus.

Wir brauchen in Deutschland endlich mutige Politiker, die Tempo beim Ausbau erneuerbarer Energien machen. Das funktioniert nur mit einem Ausstiegsplan aus der Kohlenutzung, notfalls über eine Abwrackprämie. Nicht zukunftsfähige Energiekonzerne müssen zur Not abgewickelt und der Strukturwandel in den Regionen sozialverträglich abgefedert werden. Nur wenn wir diese Mammutaufgabe erledigen, kann Deutschland seine Führungsrolle bei den Zukunftstechnologien behaupten und durch wirksame Klimaschutzmaßnahmen die Lebensgrundlagen unserer Kinder erhalten.

Volker Quaschning


Auch einen Klick wert:
Web-Artikel von Volker Quaschning

Eine Vielzahl an Artikeln behandelt aktuelle Themen der Energiepolitik, des Klimaschutzes und des Einsatzes erneuerbarer Energien. mehr... 
Interviews von Volker Quaschning

In verschiedenen Print-, Radio- und TV-Interviews nimmt Volker Quaschning Stellung zu aktuellen Fragen über die Energiewende und eine klimaverträgliche Energieversorgung. mehr... 
Video: Energiewende im Verkehrsbereich

Spätestens seit dem Dieselgate ist Allen klar: Wir brauchen eine echte Energiewende im Verkehrsbereich ganz ohne den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase bis spätestens 2040. Das bedeutet das schnelle Ende des Benzin- und Dieselautos. Welche Alternativen es gibt, zeigt dieses Youtube-Video.  mehr... 
Ein Plan für einen erfolgreichen Klimaschutz

Die deutsche Regierung bekennt sich zum Klimaschutz ohne ihren Versprechungen auch Taten folgen zu lassen. Der Klimaschutzplan erläutert, welche ambitionierten Schritte eigentlich nötig wären, um die globale Erwärmung noch auf 1,5°C begrenzen zu können.  mehr... 
Video: Leitungsbedarf und Schwankungen

Die sechste Einheit der Videoserie Energiewende und nachhaltige Mobilität erklärt, warum fossile Kraftwerke ungeeignet sind, erneuerbare Schwankungen auszugleichen und warum die Stromleitungen derzeit völlig am Bedarf vorbei geplant werden.  mehr... 

 nach oben
Solaranlagen, Photovoltaik, Solarthermie Haftungsausschluss
Impressum

 Zum Thema
  2 Mrd. Euro Umlagebefreiung für Kohle- und Atomkraftwerke
  Klimaschutz in Kohlekraftwerken verheizt
  Der RWE-Rettungsvertrag
  Gar nicht so teuer – die Mär der unbezahlbaren Kosten erneuerbarer Energien
  Die Gegner der Energiewende
  Der Billionenpoker
  Kohleboom macht deutsche Energiewende zur Farce