Konzentration auf die Sonne
Solarthermische Kraftwerke produzieren kostengünstig die Hälfte des weltweit erzeugten Solarstroms.
Zahlreiche neue Projekte sind am Entstehen, die auch für die Wirtschaft und Elektrizitätsversorgung
in Deutschland von großer Bedeutung sein können.
Im Bereich der solarthermischen Kraftwerke zur Stromerzeugung sind zahlreiche neue vielversprechende Projekte
in Vorbereitung. Zu den derzeit bereits weltweit kommerziell betrieben solarthermischen Kraftwerken mit einer
elektrischen Leistung von 354 MW sind weitere Großprojekte in Planung, die mit Hilfe der Solarenergie
kostengünstige, umweltfreundliche elektrische Energie produzieren - und das mit einer garantierten gesicherten
Leistung, da die Anlagen meist mit konventionellen Wärmekraftwerken kombiniert sind.
Aufgrund der niedrigen Kohlendioxid-Vermeidungskosten, stellen die Sonnen-Kraftwerke ein wichtiges Standbein
für eine nachhaltige Energieversorgung und den Klimaschutz dar. Durch die Integration in fossile thermische
Kraftwerke wird der Übergang zur solaren Energiewirtschaft erleichtert. Außerdem lassen sich sehr
schnell große Leistungen errichten, denn nur wenn der Anteil der Solarenergie über den Promillebereich
hinausgeht, kann die Sonne einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz leisten.
Seit nunmehr über 15 Jahren befinden sich solarthermische Kraftwerke zur Umwandlung von Solarstrahlung in
Elektrizität in kommerziellem Einsatz. Sie liefern zur Zeit etwa die Hälfte des weltweit produzierten
Solarstroms und dies zu erheblich günstigeren Kosten als andere Techniken zur Stromerzeugung aus Solarenergie.
Nach den Ölpreiskrisen wurden in den Jahren 1984 bis 1991 in Kalifornien in den USA auf einer Fläche von
über sieben Quadratkilometern neun Parabolrinnen-Kraftwerke, die sogenannten SEGS-Kraftwerke (Solar Electric
Generation Systems) installiert, die zusammen eine Spiegel-Aperturfläche von 2,3 Millionen Quadratmeter besitzen.
Bis heute haben sie über 8 Milliarden Kilowattstunden elektrische Energie produziert. Hierbei konnten die
solaren Stromgestehungskosten von 0,27 US$ pro kWh (0,58 DM pro kWh nach aktuellem Kurs) beim Kraftwerk SEGS I
auf etwa 0,12 bis 0,14 US$ pro kWh (0,26 DM pro kWh bis 0,30 DM pro kWh nach aktuellem Kurs) bei den zuletzt
installierten Anlagen gesenkt werden.

Abb. 1: Parabolrinnen-Kraftwerke bei Kramer Junction in Kalifornien (USA)
Foto: Flabeg Solar International
Die Anlagen SEGS II bis SEGS IX können auch fossil betrieben werden, sodass sie auch nachts oder bei
Schlechtwetterperioden Elektrizität liefern. Der jährliche Erdgasanteil an der zugeführten
thermischen Energie ist bei diesen Anlagen gesetzlich jedoch auf 25 % begrenzt. Die Gesamtinvestitionen
für die Anlagen betrugen mehr als 1,2 Milliarden US$ (2,58 Mrd. DM nach aktuellem Kurs), wobei ein
großer Teil der Anlagenkomponenten aus Deutschland bezogen wurde – darunter Spiegel von Flabeg Solar
International (früher Pilkington) in Köln. Aufgrund des dabei gewonnen Know-hows und der
weiterentwickelten europäischen Technologie (siehe Parabolrinnen-Kraftwerke) wird auch die Errichtung
künftiger Kraftwerke mit einem hohen Exportaufkommen für die deutsche Wirtschaft verbunden sein.

Abb. 2: Vereinfaches Schema des Parabolrinnen-Kraftwerks
Neben dem Betrieb der kommerziellen Anlagen in den USA und den Projektentwicklungen gibt es weltweit
Forschungszentren zur Weiterentwicklung der solaren Kraftwerkstechnik. Das größte europäische
Testzentrum, die Plataforma Solar de Almería (PSA) befindet sich in Tabernas in der Nähe von
Almería in Südspanien. Hier erprobt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR)
in Zusammenarbeit mit dem spanischen Energieforschungszentrum Ciemat sowie internationalen Industriepartnern
neueste solarthermische Kraftwerkskomponenten. Ziel ist hierbei, die Wirkungsgrade zu erhöhen sowie
die Kosten weiter zu senken. Seit dem Reaktorunglück in Tschernobyl im Jahr 1986 wurde dieses Testzentrum
im Rahmen eines Kooperationsvertrags zwischen Ciemat und dem DLR zu gleichen Teilen von der spanischen und deutschen
Regierung finanziert, bis das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Jahr 1998 seinen Beitrag
zur Grundfinanzierung der PSA aufkündigte. Seitdem beschränkt sich die deutsche Beteiligung an der
Plataforma Solar auf einzelne Projekte, die von der EU, dem Bundesministerium für Wirtschaft (BMWi), privaten
Industriefirmen und dem DLR selbst finanziert werden.
In der konzentrierenden solarthermischen Kraftwerkstechnik sind folgende drei verschiedene Kraftwerksprinzipien
für die Stromerzeugung am vielversprechendsten:
Parabolrinnen-Kraftwerke
Solarturm-Kraftwerke
Dish/Stirling-Anlagen
 Parabolrinnen-Kraftwerke
Bei den bereits schon erwähnten Parabolrinnen-Kraftwerken wird eine große Zahl von Parabolrinnen-Spiegeln
parallel zueinander aufgestellt und einachsig der Sonne nachgeführt. Im Brennpunkt der Spiegel läuft ein
Absorberrohr mit einer evakuierten Glasröhre, in der sich ein selektiv beschichteter Metallabsorber befindet,
auf den das Sonnenlicht mehr als 80-fach konzentriert wird. Das Wärmeträgermedium durchströmt den
Absorber und nimmt die Wärme auf. Bei den bisher gebauten Anlagen wird hierfür ein Thermoöl verwendet,
das bis auf rund 390 °C erhitzt werden kann. Über einen Wärmetauscher wird die thermische Energie an einen
Dampfturbinen-Prozess weitergegeben, über den dann elektrische Energie erzeugt wird.

Abb. 3: Parabolrinnen der Direct-Solar-Steam-Versuchsanlage auf der PSA
Foto: Volker Quaschning
Im Rahmen des von der EU geförderten DISS (Direct Solar Steam)-Projekts wird das Thermoöl durch Wasser
ersetzt, das bei Temperaturen bis über 400 °C und einem Druck von bis zu 100 bar direkt verdampft und
überhitzt wird, sodass es direkt in eine Turbine geleitet werden kann. Wärmetauscher und Thermoöl
werden somit überflüssig, wodurch sich Kosten einsparen lassen. Weitere Kosteneinsparungen sollen im
Projekt EUROtrough erreicht werden, indem eine optimierte Kollektorstruktur entwickelt wird, die kostengünstiger
zu fertigen ist und mit der zudem noch ein höherer Wirkungsgrad erzielt werden kann. Beide Projekte werden derzeit
an der PSA unter Beteiligung von zahlreichen Industriepartnern aufgebaut und getestet. Die Ergebnisse sind
vielversprechend! Während beim ersten kommerziellen Parabolrinnen-Kraftwerk SEGS I der mittlere solarelektrische
Wirkungsgrad noch unter 10 % liegt, sind bei neuen Anlagen Wirkungsgrade um 15 % zu erwarten.
 Solarturm-Kraftwerke
Bei einem Solarturm-Kraftwerk wird das Sonnenlicht von mehreren Hundert oder gar Tausend zweiachsig nachgeführten
Spiegeln, sogenannten Heliostaten auf einen einzigen Fokus konzentriert. Dieser Fokus wird auf einen
Strahlungsempfänger (Receiver) ausgerichtet, der sich auf einem Turm befindet, sodass er von allen Spiegeln aus
erreicht werden kann. Im Gegensatz zu den Parabolrinnen- Kraftwerken gibt es bei den Solarturm- Kraftwerken bisher
noch keine kommerziellen Anlagen. In Almería (Spanien), Barstow (USA) und Rehovot (Israel) sind jedoch
Versuchanlagen in Betrieb, mit denen Anlagenkomponenten optimiert werden sollen oder neue Komponenten ausgetestet werden.

Abb. 4: CESA-1 Solar-Turmkraftwerk auf dem Gelände der südspanischen Forschungseinrichtung Plataforma
Solar de Almería (PSA)
Foto: Stefan Franzen
Bisher kommen zwei Receiver-Technologien zum Einsatz, die über einen Wärmetauscher mit einem mit einem
konventionellen Dampfturbinenkreislauf gekoppelt sind: Beim Salzschmelzenreceiver dient flüssiges Salz als
Wärmeträger, das im Receiver erhitzt wird. Außerdem gibt es offene volumetrische Luftreceiver,
bei denen Luft durch ein Metalldrahtgestrick-Absorber gesaugt und auf Temperaturen von über 700 °C erhitzt
wird.
Auf der PSA wird derzeit ein geschlossener Druckreceiver entwickelt und gestestet, in dem Luft unter Druck erhitzt
wird. Dieser lässt sich direkt mit einer Gasturbine koppeln, wodurch eine deutliche Erhöhung des
Wirkungsgrads erreicht werden kann. Insgesamt lassen Solarturm-Kraftwerke bessere Gesamtwirkungsgrade erwarten
als Parabolrinnen-Kraftwerke.
 Dish/Stirling-Anlagen
Bei einer Dish/Stirling-Anlage wird die Solarstrahlung durch einen zweiachsig nachgeführten Hohlspiegel
(Dish, engl.: Schüssel) auf einen Brennpunkt konzentriert. Dort befindet sich wie beim Solarturm-Kraftwerk
ein Receiver, zur Aufnahme der Wärme. Ein Stirling-Motor setzt die Wärme in mechanische Energie um,
mit der über einen elektrischen Generator schließlich elektrische Energie erzeugt wird. Im Receiver
wird die Solarstrahlung etwa 4.000fach konzentriert und es werden Temperaturen von 800 °C erreicht.
Der maximale Systemwirkungsgrad liegt über 20 %. Die größten bisher gebauten Systeme wurden
in Saudi-Arabien errichtet. Bei einem Konzentratordurchmesser von 17 m erreichten sie eine Nennleistung von 50 kW.
An der PSA sind Systeme mit einem Durchmesser von 8,5 m und einer Nennleistung von 10 kW im Einsatz.
Ziel der aktuellen Forschungsvorhaben ist eine Kostenreduktion durch eine selbsttragende Kollektorstruktur
sowie ein möglicher Hybridbetrieb mit Biogas, das direkt in der Anlage verfeuert wird.

Abb. 5: Dish/Stirling Versuchsanlagen auf dem Testgelände der PSA
Foto: Wolfgang Reinalter
 Günstige Aussichten
Solarthermische Kraftwerke sind die wirtschaftlichsten Anlagen zur Stromerzeugung aus Sonnenenergie.
Abb. 6 zeigt Stromgestehungskosten realisierter und künftiger solarthermischer Kraftwerksprojekte.
Mit analogen finanzierungsspezifischen Rahmendaten wurde mit Hilfe des Programms greenius, das derzeit
für die Simulation regenerativer Kraftwerksprojekte an der PSA entwickelt wird, die Stromgestehungskosten
für PV-Anlagen berechnet. So ist für heute gebaute Anlagen in Deutschland mit Stromgestehungskosten
von etwa 0,90 Euro/kWh und bei einer Kostendegression von 6 % pro Jahr im Jahr 2020 immer noch mit 0,25 Euro/kWh
zu rechnen. Bei Standorten in Nordafrika mit einer Globalstrahlung von über 2.000 kWh/(m² a) sinken diese
Kosten heute auf 0,45 Euro/kWh und im Jahr 2020 auf 0,13 Euro/kWh und liegen damit immer noch erheblich über
denen solarthermischer Kraftwerke.

Abb. 6: Stromgestehungskosten solarthermischer Kraftwerke für verschiedene Strahlungssummen der DNI (Direkt-Normalstrahlung)
Trotz der Vorteile der solarthermischen Kraftwerkstechnik gib es bisher noch keine selbsttragende Marktentwicklung.
Gegen moderne, fossil befeuerte Kraftwerke sind Solartechniken auch bei Kosten unter 0,15 Euro/kWh nicht
wettbewerbsfähig, weil vermiedene Umweltlasten betriebswirtschaftlich nicht gutgeschrieben werden.
Sicher würde eine positive Meinungsbildung in deutschen Unternehmen der Branchen Elektro, Anlagen,
Elektrizität, Glas u. a. sehr gefördert, wenn sich die Bundesregierung unter umwelt- und
energiewirtschaftlichen, aber auch entwicklungs- und technologiepolitischen Aspekten zu dieser Option bekennen
würde. Schließlich hat die Regierung die vorhandene deutsche Kompetenz mit erheblichen Fördermitteln
aufgebaut. Weiterhin ist ein politisches Engagement der Bundesregierung ist insbesondere bei der Meinungsbildung
in potentiellen Standortländern erforderlich.
Strom aus solarthermischen Kraftwerken aus Südeuropa oder Nordafrika könnte kurzfristig auch bei
europäischen Anbietern von grünem Strom vertrieben werden und somit zu einer kostengünstigen
und klimaverträglichen Elektrizitätsversorgung beitragen, sobald die technischen und wirtschaftlichen
Randbedingungen zur Durchleitung von Solarstrom nach Mitteleuropa bei geklärt sind.
  Literatur
Pilkington Solar International (Hrsg.): Statusbericht Solarthermische Kraftwerke. Köln: Flabeg Solar 1996,
ISBN 3-9804901-1-4.
DGS (Hrsg.): Schwerpunkt solarthermische Kraftwerke. In: Sonnenenergie Heft 3/1998.
Quaschning, Volker: Regenerative Energiesysteme.
Carl Hanser Verlag München, 2. Auflage 1999, ISBN 3-446-21340-6.
  Solarthermische Kraftwerke im Internet
Neue Standorte weltweit
Die Global Environmental Facility (GEF), der von der Weltbank verwaltete Welt-Umweltfonds der Industrienationen,
hat im Frühjahr 2000 den Anträgen von Ägypten, Indien, Marokko und Mexiko stattgegeben, die Mehrkosten
solarthermischer Markteinführungsprojekte gegenüber konventionellen Kraftwerken in diesen Ländern mit
jeweils etwa 50 Millionen US$ (107 Mill. DM nach heutigem Kurs) zu unterstützen. Hierbei soll jeweils ein
200.000 m² Parabolrinnenfeld mit 30 MWel Ausgangsleistung in ein konventionelles Gas- bzw. Dampfturbinenkraftwerk
integriert werden. Auf die Ausschreibung Ägyptens, sich für die Implementierung eines ersten solaren
Build-Own-Operate-Transfer-Projektes in Kuraymat zu präqualifizieren, haben sich 10 internationale
Kraftwerks-Konsortien beworben. Unter den Bewerbern, die ein solches Kraftwerk finanzieren, bauen und betreiben wollen,
befinden sich namhafte Firmen wie die internationalen Konzerne BP Amoco und ABB, die Energieversorger Duke Power (USA),
ENEL (Italien) sowie Mahrubeni Europower (UK).
Auf der Insel Kreta in Griechenland hat die Solar Millenium AG mit den Partnern Fichtner Solar, Flabeg Solar
International und der griechischen OADYK die Theseus Projektgesellschaft gegründet, um dort ein 52 MW
Parabolrinnenkraftwerk zu bauen und zu betreiben, das in idealer Weise den tourismusbedingten sommerlichen
Spitzenstrombedarf decken wird (siehe SW&W news III/2000).
In Spanien wurde Ende 1998 mit der Verabschiedung der Verordnung Real Decreto 2818/1998 eine erhöhte
Einspeisevergütung für regenerative Kraftwerke wie Biomasse, Photovoltaik oder Windkraft festgelegt.
Eine erhöhte Vergütung und Investitionszuschüsse für solarthermische Kraftwerke sollen in
Kürze folgen. Bereits jetzt haben sich drei internationale Entwicklergruppen engagiert, solarthermische
Projekte mit einer elektrischen Leistung zwischen 10 und 32 MW genehmigungsreif zu machen: Unter der Führung
von Gamesa (drittgrößter Windkraftanlagenhersteller der Welt) und der Solar Millenium AG wird in der
Provinz Almería das 32 MW Parabolrinnenprojekt AndaSol vorbereitet. Die spanische Abengoa-Gruppe hat
für das 10 MW Solarturmprojekt SP10 bei Sevilla bereits die Unterstützung der EU bewilligt bekommen.
Die US-amerikanischern Firmen Bechtel und Boeing sind mit der spanischen Firma Ghersa in Verhandlung über
ein weiteres 10 MW Solarturmkraftwerk mit Schmelzsalzkühlung.
Trotz diese intensiven Bemühungen in vielen Ländern sind Vorzeigeprojekte selten. Die immer wieder
auftretenden Verzögerungen bei der Realisierung solarthermischer Kraftwerke - trotz günstiger
Standorte - sind auf die hohen Baukosten (aufgrund ihrer Mindestgröße von mehreren MW) sowie auf
die aufwendigen Genehmigungsverfahren beim Kraftwerksbau zurückzuführen.
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