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Interview: Mit Speicher im Vorteil

Dieses Inter­view ist in der Zeitung für Kommunale Wirt­schaft ZfK Ausgabe 10/2011 am 4.10.2011, S.48 erschienen.

Solarthermische Kraftwerke: Nach dem Strategiewechsel von Solar Millennium sprach die ZfK mit dem Solarexperten Prof. Volker Quaschning, Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, über die Zukunft von Parabolrinnenkraftwerken.

Parabolrinnenkraftwerk Solar Millennium, Projek­tierer von solarther­mischen Kraft­werken, hat bei dem Prestige­projekt Blythe (USA) über­raschender­weise das Konzept geändert: Eigentlich war ein Parabolrinnenkraftwerk geplant, jetzt wird das Solarkraftwerk via Photovoltaik realisiert. Die Gretchenfrage: Sind solarthermische Kraftwerke noch wirtschaftlich und konkurrenzfähig im Vergleich zu PV-Kraftwerken?

So einfach kann man diese Frage nicht beantworten. Jede Technologie hat ihre Stärken. Es kommt immer auf den Standort und den Nutzungsschwerpunkt an. Um die Situation zu verdeutlichen, muss ich ausholen: Vor zehn Jahren war die Situation klar: CSP (Concentrated Solar Power, solarthermische Kraftwerke) war die eindeutig günstigere Lösung. Doch in den vergangenen sechs Jahren haben sich die Preise für Photovoltaikanlagen halbiert. Von daher hat sich die Situation deutlich verändert. Ich sehe aber für beide Technologien gute Chancen.

Wo liegen die Stärken der beiden Ansätze?

PV produziert Strom, wenn die Sonne scheint und kann selbst bei weniger sonnenintensiven Standorten als Energieerzeuger genutzt werden. Die Photovoltaik hat keine bewegten Teile und ist damit weniger wartungsintensiv. Eine Speicherung der Energie ist aber teuer und kann beispielsweise über Batterien erfolgen. CSP braucht sonnenintensive Standorte und kann, und das ist der große Vorteil, mit einem relativ günstigen thermischen Speicher versehen werden.

Wo ist ein PV-Kraftwerk besser, wo ein solarthermisches Kraftwerk die bessere Option?

In unseren Breiten ist ein solarthermisches Kraftwerk aufgrund der niedrigen Sonneneinstrahlung wenig sinnvoll. Von daher ist hier die PV gesetzt. An sonnenintensiven Standorten muss differenziert werden: Haben wir nun zur Mittagszeit einen hohen Bedarf und wird der Strom direkt verbraucht, wie das jetzt in Kalifornien wegen der vielen Klimaanlagen der Fall ist, hat derzeit auch die Photovoltaik die Nase vorne. In Spanien beispielsweise haben wir aber einen Peak in den Abendstunden. An solch einem Standort ist ein solarthermisches Kraftwerk mit Speicher besser geeignet. Ein Vorteil der CSP ist auch die Kombinierbarkeit mit einem Gaskraftwerk. Diese Anlagen bieten eine sehr hohe Versorgungssicherheit.

Wie sieht es mit der Haltbarkeit der beiden Technologien aus?

Die CSP hat bereits bewiesen, dass die Anlagen 30 Jahre halten. Schließlich wurden die ersten Kraftwerke in den 80er Jahren in Kalifornien errichtet. Bei der Photovoltaik geht man auch von einer Haltbarkeit von gut 30 Jahren aus.

Wie sieht es in Zukunft aus: Wer wird die Nase vorne haben?

Die Stückzahlen bedingen in erster Linie die Preise. Durch die Skaleneffekte hat die Photovoltaik es geschafft, sehr schnell sehr günstig zu werden. Bei solarthermischen Kraftwerken ist die Zahl der Anlagen immer noch überschaubar. Von daher ist die Kostenreduktion noch nicht so stark fortgeschritten. In den nächsten zehn Jahren wird CSP aufgrund der Speicherfähigkeit sicher noch sehr attraktiv sein. Gelingt es, die Preise für Batterien signifikant zu drücken, könnte die PV auch zu solchen Systemen eine ernsthafte Konkurrenz werden.

Innerhalb der CSP gibt es unterschiedliche Technologien: Dish-Stirling, Turm- und Rinnenkraftwerke? Welche Strategie ist die beste?

Dish-Stirling-Systemen sind wenig verbreitet. Wenn nicht in den nächsten zwei oder drei Jahren große Projekte realisiert werden, hat die Technik wenig Chancen. Bei Parabolrinnen-Kraftwerken sind die meisten Erfahrungen vorhanden. Doch aufgrund der vergleichsweise geringeren Temperaturen sind die Wirkungsgrade begrenzt. Ein größeres Entwicklungspotential haben Turmkraftwerke wegen der hohen Temperaturen.

Siemens hat im vergangenen Jahr den Receiver-Hersteller Solel gekauft. Wie bewerten Sie den Einstieg solcher Global Player in den Markt?

Da Siemens ohnehin die Dampfturbinen für CSP-Anlagen liefert, hat der Konzern sein Portfolio erweitert und bildet damit die gesamte Wertschöpfungskette ab. Solche Firmen haben es tendenziell leichter, das sieht man auch in der Photovoltaik. Sie können Verluste in einer Sparte abfedern und tendenziell zu günstigeren Gesamtkosten anbieten.

Die Fragen stellte Armin Leßner.



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