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Interview: Wir brauchen viel mehr Sonnenstrom

Dieses Interview ist in den taz 15.10.2012, S.9 erschienen.

Volker Quaschning fordert bis zum Jahr 2040 sechs mal mehr Solarleistung als heute. So könne sich Deutschland von Importen unabhängig machen. Das Photovoltaik-Know-How müsse bleiben.

Meh Sonnenstrom Herr Quasch­ning, Sie und andere Wissen­schaftler fordern für Deutsch­land 200 Gigawatt Solar­leistung bis zum Jahr 2040, mehr als sechs Mal so viel wie heute. Ist das angesichts der derzeitigen Kostendiskussion nicht ziemlich verrückt?

Volker Quaschning: Wir wollen doch eine Energiewende, also keine Atomkraft und eine CO2-neutrale Energieversorgung. Die Bundesregierung sagt jetzt: Wir machen das nicht mehr mit Solarenergie oder Windkraft an Land, sondern fördern Offshore-Wind. Dabei ist Photovoltaik heute schon zum gleichen Preis zu haben und wird künftig deutlich günstiger. Eigentlich ist es ziemlich verrückt, was die Bundesregierung da macht.

Wo wollen Sie denn die ganzen Solarparks errichten?

Wir können allein 160 Gigawatt auf Dächern und Fassaden in Deutschland installieren, und zwar ausschließlich auf geeigneten Dächern, die nach Südenin Richtung Sonne zeigen und nicht verschattet sind.

Wie viel Milliarden Förderung brauchen Sie dafür denn noch?

Sie können schon teilweise Solarstrom in Deutschland billiger auf dem Dach produzieren, als er beim Stromanbieter kostet. In drei bis vier Jahren kommen wir ohne Zuschüsse aus. Wir sind gerade auf der Schwelle, brauchen aber noch den Übergang. Deshalb dürfen wir den Ausbau jetzt nicht abwürgen. Sonst zerstören wir die gewachsenen Strukturen und Know-How, etwa durch die vielen Installateure im Handwerk.

Dann können wir die Solarförderung also bald abschaffen?

Dafür fehlen die Voraussetzungen. Die Bundesregierung hat ohnehin einen Deckel für die Förderung eingezogen: Momentan haben wir in Deutschland 30 Gigawatt installiert, ab 52 Gigawatt gibt es keinen Cent gesetzliche Einspeisevergütung mehr, wenn Sie sich eine Solarzelle aufs Dach bauen. Eigentlich könnte man als Eigenheimbesitzer dann sagen: Egal, dann speise ich den Strom eben nicht ins Netz ein, sondern verkaufe ihn an meinen Nachbarn. Das geht aber nicht, dafür sorgt das Energiewirtschaftsgesetz. Sie müssten offiziell Energieversorger sein und da gibt es hohe Hürden.

Das kann man doch ändern.

Momentan geht es nicht darum, einen Markt für Solarstrom ohne Förderung zu schaffen. Selbst als Hausbesitzer ist es extrem schwer, selbst produzierten Solarstrom an die Mieter verkaufen zu dürfen. Statt solche Modelle zu fördern, die ja auch die Netze entlasten würden, werden sie erschwert. Es geht offenbar darum, Konkurrenz zu verhindern und kleinen, dezentralen Energieerzeugern das Leben schwer zu machen.

Warum macht die Bundesregierung bei 52 Gigawatt installierter Solarleistung Schluss?

Wir haben ausgerechnet, was es bedeuten würde, wenn wir mehr als 52 Gigawatt Photovoltaik in Deutschland installieren würden: Dann lohnt sich der Betrieb von fossilen Grundlastkraftwerken für die großen Energiekonzerne wirtschaftlich nicht mehr. Die müssen eigentlich ständig durchlaufen, wir könnten dann aber tagsüber teilweise den kompletten Strombedarf mit erneuerbaren Energien decken. Die alten Energieversorger würden also extreme Probleme bekommen.

Und wie wollen Sie ohne fossile Großkraftwerke den Tag bewältigen, an dem der Wind nicht bläst und der Himmel bewölkt ist?

Die Frage ist doch: Wird es billiger, weiter Kohle, Öl und Gas zu verfeuern. Oder wird es billiger, einige fossile Notfall-Kraftwerke nur dann zu nutzen, wenn es das Wetter absolut notwendig macht? Im zweiten Fall rechnen wir in unseren Szenarien, dass Strom maximal noch 5 bis 10 Cent teurer wird als heute. Die immer teureren fossilen Rohstoffe würden den Strompreis aber mittelfristig ebenso steigen lassen. Also setzen wir besser gleich auf erneuerbaren Strom, schonen das Klima und machen uns von Importen unabhängig.

Die Fragen stellte Ingo Arzt.



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  taz.de
  Original-Interview auf taz.de

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