Durch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise sind die Kohlendioxidemissionen im Jahr 2020 stark gesunken. Die Bundesregierung erreichte damit recht unerwartet ihre eigenen Klimaschutzziele für das Jahr 2020. Um den globalen Temperaturanstieg durch den Klimawandel deutlich unter 2°C, möglichst auf 1,5°C zu begrenzen, sollten die Kohlendioxidemissionen noch in den 2030er-Jahren auf null sinken. Dafür sind die bislang eingeleiteten Klimaschutzmaßnahmen aber nicht ausreichend.
Nach der Coronakrise hat sich beim Wiederhochfahren der Wirtschaft im Jahr 2021 ein erneuter Anstieg der Emissionen eingestellt. Während der Energiepreiskrise im Jahr 2022 sank zwar der Energieverbrauch etwas, doch die Emissionen blieben auf vergleichbarem Niveau: Nach aktuellen Schätzungen sanken sie um lediglich etwa 1 % ab.
Für das vergangene Jahr 2023 ist endlich ein deutlicherer Rückgang der Emission absehbar. Hier greifen zwei Entwicklungen ineinander: Die verminderte Nachfrage aus der Industrie aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage sowie der steigende Anteil erneuerbarer Energien am Energiemix. Gleichzeitig war die milde Witterung daran beteiligt, dass der Verbrauch fossiler Heizenergieträger rückläufig war. Die Begründungen für diesen Rückgang zeigen aber auch, dass dies kein anhaltender Trend sein wird. Für das laufende Jahr 2024 wird daher von Gesamtemissionen ausgegangen, die wieder über denen des Jahres 2023 liegen. Mit dieser Entwicklung können nicht einmal die schwachen Reduktionsziele des deutschens Klimaschutzgesetzes eingehalten werden, wie die Grafik unten zeigt. Damit verfehlt die deutsche Klimaschutzpolitik auch die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts.
Vor allem nach dem Fall der Mauer und der deutschen Wiedervereinigung konnten Anfang der 1990er-Jahre in Deutschland große Erfolge bei der Reduktion der Treibhausgasemissionen erzielt werden. Zwischen 1990 und 1995 gingen die Gesamtemissionen fast um 11 Prozent zurück. Dieser Rückgang war jedoch hauptsächlich auf den wirtschaftlichen Umbruch in den neuen Bundesländern zurückzuführen. In den alten Ländern haben die Treibhausgasemissionen in diesen Jahren sogar noch zugelegt.
Seit dem Jahr 2000 war erneut ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Der Einsatz erneuerbarer Energien, die Nutzung emissionsärmerer Energieträger und rationelle Energieverwendung zeigten erste Resultate. Wegen der Wirtschaftskrise gingen im Jahr 2009 die Emissionen sprunghaft zurück. Der Energieverbrauch nahm rapide ab und damit auch die Treibhausgasemissionen. Ein Zeichen nachhaltiger Energiepolitik ist dieser Rückgang allerdings nicht. Dies zeigt der erneute Anstieg im Jahr 2010.
Kohlendioxid macht in Deutschland knapp 90 Prozent aller Treibhausgasemissionen aus. Andere Gase wie Methan oder Lachgas sind hier von untergeordneter Bedeutung. Weit über 90 Prozent der gesamten Kohlendioxidemissionen sind wiederum energiebedingt, stammen also aus der Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle, Erdöl oder Erdgas. Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der gesamten Kohlendioxidemissionen, die folgenden Tabellen weisen energiebedingte Kohlendioxidemissionen, Gesamt-Kohlendoxidemissionen und Gesamt-Treibhausgasemissionen getrennt aus. Auch die jährliche Änderung der Treibhausgasemissionen ist angegeben.
| Jahr | energiebedingte CO2-Emissionen 1 | Gesamte CO2-Emissionen 2 |
| 2024 | 601,05) | |
| 2023 | 546,9 6) | 598,0 4) |
| 2022 | 620,1 3) | 671,5 4) |
| 2021 | 626,4 3) | 674,8 |
| 2020 | 594,9 | 639,4 |
| 2019 | 659,7 | 707,1 |
| 2018 | 704,5 | 754,4 |
| 2017 | 733,7 | 785,6 |
| 2016 | 752,2 | 800,3 |
| 2015 | 749,2 | 795,6 |
| 2014 | 744,4 | 792,3 |
| 2013 | 783,5 | 831,2 |
| 2012 | 765,8 | 813,7 |
| 2011 | 760,3 | 808,9 |
| 2010 | 784,1 | 832,5 |
| 2009 | 746,8 | 789,9 |
| 2008 | 803,2 | 854,5 |
| 2007 | 797,6 | 851,2 |
| 2006 | 822,9 | 877,9 |
| 2005 | 811,7 | 866,3 |
| 2004 | 830,0 | 886,6 |
| 2003 | 844,1 | 900,6 |
| 2002 | 847,3 | 899,4 |
| 2001 | 861,9 | 916,1 |
| 2000 | 839,2 | 899,4 |
| 1999 | 840,2 | 895,4 |
| 1998 | 865,5 | 922,8 |
| 1997 | 872,2 | 930,9 |
| 1996 | 902,8 | 958,7 |
| 1995 | 880,7 | 938,6 |
| 1994 | 881,1 | 939,5 |
| 1993 | 899,9 | 955,8 |
| 1992 | 909,7 | 965,5 |
| 1991 | 955,0 | 1013,8 |
| 1990 | 989,1 | 1052,0 |
| Jahr | Gesamte Treibhausgasemissionen 1 | Änderung gegenüber Vorjahr |
| 2024 | 677,43 | +0,5% |
| 2023 | 674,02 | -10,1% |
| 2022 | 750,02 | -1,3% |
| 2021 | 759,62 | +4,2% |
| 2020 | 728,7 | -8,9% |
| 2019 | 799,7 | -6% |
| 2018 | 850,5 | -4% |
| 2017 | 885,7 | -1,7% |
| 2016 | 901,4 | 0,4% |
| 2015 | 898,0 | 0,4% |
| 2014 | 894,5 | -4,2% |
| 2013 | 934,0 | 1,9% |
| 2012 | 916,9 | 0,6% |
| 2011 | 911,2 | -2,6% |
| 2010 | 935,8 | 3,7% |
| 2009 | 902,7 | -6,8% |
| 2008 | 968,9 | 0,1% |
| 2007 | 968,0 | -2,6% |
| 2006 | 993,7 | 0,7% |
| 2005 | 986,7 | -2,5% |
| 2004 | 1011,8 | -1,6% |
| 2003 | 1028,6 | -0,3% |
| 2002 | 1031,7 | -2% |
| 2001 | 1053,0 | 1,6% |
| 2000 | 1036,9 | -0,2% |
| 1999 | 1039,2 | -3,2% |
| 1998 | 1073,2 | -2,3% |
| 1997 | 1098,4 | -3,1% |
| 1996 | 1133,4 | 1,6% |
| 1995 | 1115,3 | -0,4% |
| 1994 | 1119,7 | -1,6% |
| 1993 | 1137,5 | -0,8% |
| 1992 | 1146,5 | -4,1% |
| 1991 | 1196,0 | -3,7% |
| 1990 | 1241,9 |
Volker Quaschning, 06/2024.
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Die Kohlendioxidemissionen in Deutschland sind im Jahr 2023 gesunken: Gutes Wetter und schlechte Konjunktur sind die Treiber. Nachhaltiger Klimaschutz sieht anders aus. Schon für 2024 wird von einem erneuten Anstieg der Treibhausgas-Emissionen ausgegangen.
Früher oder später werden Gerichte eine Klimaschutzpolitik einfordern, die auch Gesetze und Ziele einhält. Beschließen also ausgerechnet Merz oder Söder dann ein Tempolimit?<br> Am 14. Mai wurde in Deutschland so viel Solarstrom ins Netz eingespeist wie noch nie. Das hat auch Auswirkungen auf unsere Nachbarländer, speziell auf die Atomkraft-Ambitionen in Frankreich.
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